Liebe Kirchgemeinde Röhrsdorf …(;
Nach nun ziemlich genau einem Monat im fernen Südafrika,
will ich mich doch einmal persönlich bei meiner Gemeinde melden. Ich kann euch
gleich sagen, dass ich hier schon viel zu viel erlebt habe um euch in 10
Minuten alles zu berichten, aber für eine grobe Zusammenfassung reicht es.
Abgemacht..? Naguut….Für alle die seit
meinem Abflug aus Deutschland noch nichts von mir gehört haben, will ich erst
einmal folgendes zur Entwarnung sagen: die Menschen hier nicht mehr den ganzen
Tag im Lendenschurz unterwegs, wir müssen keine 7 km zum nächsten Brunnen
laufen um Wasser zu holen, und wir schlafen auch nicht mit Löwen und Elefanten
zusammen in einem Holzhaus. Das Leben hier ist eigentlich ziemlich
europäisch…wenn ich das so sagen kann. Bis auf gelegentliche Strom- und
Wasserausfäll und einen allgemein niedrigeren Lebensstandard ist der Alltag
hier ziemlich normal. Ich habe mir 3 kleine Anhaltspunkte überlegt die ich
abarbeiten will um euch einen kleinen Überblick über meine Situation hier zu
geben.
1.
Wie ist es in Südafrika?
2.
Was sind meine Aufgaben?
3.
Wie sieht meine Beziehung zu Gott aus/Wie hat
sie sich verändert?
4.
Was will ich euch mitgeben, wofür könnt ihr
beten?
Wie es hier ist?
Naja… Meine ersten Eindrücke nach der Landung
auf dem Flughafen in Kapstadt waren: „Ach du Schreck sind hier alle schwarz…^^“
und „Mann haben die hier eine schöne Landschaft!!!“. Nachdem ich dann im
Kinderdorf allen vorgestellt wurde, ging es dann für mich ab unter die Dusche
und schwubb in die Heia… ich war nach meiner 2-tägigen Reise ohne wirklichen
Schlaf ganz schön groggie. Tag für Tag habe ich mich dann an das Leben hier in
unserem kleinen Dorf am Fuße des Sir Lowry Gebirgspasses gewöhnt. Die Kinder in
unserem Heim habe ich schnell ins Herz geschlossen. Anders herum wurde ich auch
schnell als großer Bruder, Spielkamerad und „Mutti für alles“ akzeptiert.
Wie schon erwähnt ist die Landschaft hier Atemberaubend. Wir
wohnen hier direkt am Gebirge und können trotzdem vom Fenster aus das in der
Sonne glitzernde Meer sehen. Ich lebe hier wo andere Menschen viel Geld
bezahlen um Urlaub zu machen.
Diesen „natürlichen“ Luxus kann jedoch nur von einem kleinen
Teil der hier ansässigen Bevölkerung wirklich genossen werden. Ich habe das
Land als ein “Land der Unterschiede“ kennengelernt. Während die Schwarzen und
die "Colourds" in den Townships an der untersten Schwelle des Erträglichen
täglich ums Überleben kämpfen, verstecken sich die Weißen hier in sogenannten
„Estates“ um nichts von Elend, Hunger und Gewalt mitzubekommen. Reich und Arm
leben hier so nah bei einander wie in Deutschland VW-Fahrer und Hundebesitzer.
Du läufst wirklich keine 5 Minuten vom Township aus und stehst dann vor einer
Luxusvilla, dass dir der Mund offen stehen bleibt.
Was ich hier mache?
Nun
ja….mein „Arbeitstag“ beginnt morgens um 7 mit einer kleinen stillen Zeit. Um 8
gehe ich dann mit den Kindern in den Kindergarten und zur Schule. In der Schule
bin ich vor allem für die etwas schwächeren Schüler zuständig und gebe
Nachhilfe. Am Montag bekomme ich sogar meine erste eigene Klasse…(; Ich helfe
beim Sportunterricht, darf einzelne Stunden ausgestalten und mache die
Pausenaufsicht. Ansonsten bin ich für alles zuständig, dass etwas mit dem
Computer zu tun hat. Ich mache die Abrechnung, schreibe Elternbriefe und
erarbeite Arbeitsblätter. Die Kinder kommen übrigens alle aus dem Township, das
nur einen Steinwurf von der Schule entfernt liegt. Mein Schultag endet um 2 mit
der Essensausgabe. Zurück im Heim heißt es erst einmal Putzen. Wenn dann die
Kinder gegen halb 4 vom Kindergarten abgeholt werden ist mein Arbeitstag
offiziell vorbei. Ich kann euch jedoch sagen, dass man nie wirklich frei hat
wenn man mit eine Herde von Kindern zusammenwohnt. Aber das werdet ihr ja
mindestens genauso gut wissen wie ich.
Freitags machen wir „Kidsclub“. Zusammen mit einigen Jugendlichen aus
einer Nahegelegenen Bibelschule bereiten wir Spiele, Lieder, eine Andacht und
eine warme Mahlzeit vor. Dann fahren wir durch das Township und laden die
Kinder ein. Im Sommer sollen bis zu 250 Kinder kommen hat man mir gesagt. Bis
jetzt waren noch nicht so viele da. Es war aber immer ein riesen Spaß den
Nachmittag mit den Kids zu verbringen. Man fühlt sich hier wirklich gebraucht.
Beim Kidsclub sieht man was es bedeutet wirklich nichts zu haben. Die Kinder
sind dreckig und haben zerrissene Anziehsachen und meist keine Schuhe an. Sie
sind am ganzen Körper dreckig und stinken fürchterlich. Vor allem mit den
Zähnen haben viele Probleme. Ich bin froh dass mir Gott die Liebe ins Herz
gegeben hat, diese Kinder zu mögen. Ansonsten lerne ich auch gerade was es heißt
sich selbst zu versorgen. Ich denke meine Mama wäre mächtig stolz wenn sie
sehen könnte wie ich koche, putze und meine Wäsche mache. Nächste Woche
bekommen wir Zwillinge, da werde ich dann den ganzen Tag Windeln wechseln, das
wird ein Spaß sag ich euch. Da werde ich dann zum „Vollzeitpapa“ ausgebildet. Naja….Ganz
wie ich es von zuhause gewöhnt bin, heißt es auch Samstags „zeitig aufstehen“.
In einem der lokalen Supermärkte hier können wir Reste und abgelaufenen
Produkte abholen und sie in der Gegend zu verteilen. Wir sind übrigens Floyd
und ich. Daniel ist leider seit 2 Wochen nicht mehr dabei. Wer dazu mehr wissen
will, kann gerne meinen Blog lesen.
Wie sieht meine
Beziehung zu Gott aus?
Hachjaa...Wenn ich jetzt schreibe „besser als je zuvor“
untertreibe ich noch…!!! Ich kann euch sagen, dass ich wirklich am Boden war
als ich hier ankam und plötzlich ohne Freunde und Gemeinde da stand. Als dann noch
kleinere Streitigkeiten mit unserer Leiterin und doch starkes Heimweh
dazukamen, habe ich mich wirklich gefragt was Gott vorhat. Ich habe mich
haltlos und verlassen gefühlt. In Deutschland hatte ich alles was ich mir nur
wünschen konnte. Und nun stand ich da, mit weniger als nichts. Und ich kann
euch sagen, dass ich mir wirklich unwohl und fehl am Platz vorkam. Doch ich
durfte erfahren, dass sich Gott gerade dann offenbart wenn man wirklich ganz am
Boden ist und keine andere Hilfe in Sicht ist. Ich hatte nichts und sah in Gott
meinen einzigen Halt. Und ich kann euch sagen, Gott musste Wunder tun und viele
Gebete erhören um mich wieder aufzurichten. Und nichts weniger hat er getan.
Ich habe alles was ich nur von Gottes Liebe und seiner Größe zu spüren bekam,
wie ein Schwamm in mich aufgesogen. Ich habe angefangen täglich Bibel zu lesen, stille
Zeit zu machen und mich voll und ganz
nach Gott auszustrecken. Ich bin so froh, dass Gott mich auch dieses Mal
aufgefangen hat, und gerade in meiner Schwäche seine Größe offenbart hat. Natürlich habe ich immer noch Heimweh und
Sehnsucht nach euch allen, es ist aber erträglich.
Was will ich euch
mitgeben?
Gott hat mich durch diesen „Wurf ins kalte Wasser“
wachgerüttelt und ich kann euch sagen dass ich das wirklich nötig hatte. Gott
hat gesehen was ich brauche, und er hat mich verändert. Dass Veränderung nicht
immer leicht ist, wissen wir alle. Und ich kann euch sagen: ich fühle mich
jetzt besser als je zuvor. Ich wünsche euch allen auch so einen „Wachrüttler“.
Ihr könnt jetzt natürlich gerne alle nach Südafrika kommen, aber ich denke es ist auch schon genug wenn
ihr euch einfach mal Zeit nehmt und über eure Beziehung zu Gott und euer Leben
allgemein nachdenkt. Ich will euch dadurch jetzt nicht angreifen und mich als
etwas Besseres darstellen. Doch ich denke jeder braucht manchmal Veränderung
und ich bin nichts Besonderes nur weil ich diesen Schritt mit Gottes Hilfe
schon gehen durfte. Ich will euch auch nicht belehren oder so, sondern nur die
guten Erfahrungen die Gott mir geschenkt hat, mit euch teilen. Lebt auf in
eurer Beziehung zu Gott, ladet den Heiligen Geist in euer Leben ein und lebt
das was ihr Glaubt, dann könnt ihr die Welt verändern..(:
So jetzt habe ich euch schon viel zu lange abgehalten...ich
hoffe es ihr seid weder persönlich angegriffen noch gelangweilt. Wer jetzt doch
noch mehr erfahren will kann gerne meinen Blog lesen…(Adresse bei Theresa
erfragbar.) Ihr dürft wissen dass ich meine gute alte Gemeinde im schönen
Röhrsdorf immer mit in meine Gebete einschließe. Liebste Grüße sende ich euch
aus dem Sonnigen Südafrika.
Gott segne euch und lasse euch zum Segen werden.
Euer schwarzer Bruder Carsten
Uiii…jetzt hab ich ganz die Gebetsanliegen vergessen:
1.
Weisheit, Verständnis, Kraft für Babara
2.
Segen für meine „Mit-Voluntäre“ und die
Hausmütter
3.
Das Land Südafrika
4.
Die Kinder natürlich
5.
Und auch Ich selbst brauche viel Gebet
Danke…
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